5 Typen der Nachhaltigkeit

Wie kann es sein, dass wir uns in manchen Lebensbereichen äußerst bewusst und nachhaltig verhalten und in anderen Lebensbereichen uns das Thema Nachhaltigkeit so gar nicht wichtig ist? Ich vergleiche das mit dem Tragen unterschiedlicher Schuhe: Und genauso wie wir manchmal leichtes Schuhwerk tragen und mit einer Sandale nur einen geringen CO2-Abdruck hinterlassen, kann es uns in anderen Lebensbereichen passieren, dass wir mit unseren Waldbrandaustretern einen größeren CO2-Abdruck hinterlassen.

Nachhaltigkeitstypen

Einleitung

Vor einigen Wochen habe ich im Buch „Die Rede deines Lebens“ von Tobias Beck gelesen, dass jeder Speaker ein eigenes Modell braucht. Tobias hat beispielsweise das Modell der vier tierischen Menschentypen, nämlich Eule, Hai, Delphin und Wal. Das hat mich damals unheimlich unter Druck gesetzt, da ich keinen blassen Schimmer hatte, was mein eigenes Modell sein kann. Und immer wenn ich mich unter Druck setze, dann habe ich das Gefühl, dass mein Unterbewusstsein kreativ wird.

Dabei gibt es doch schon so viele Modelle im Bereich der Nachhaltigkeit. Das wohl bekannteste Modell ist das Drei-Säulen-Modelll der nachhaltigen Entwicklung: Hier geht es darum, Ökonomie, Ökologie sowie Soziales als gleichberechtigte Säulen anzusehen. In der Praxis geht das häufig schief, da die Ökonomie von uns Menschen häufig als zu wichtig bewertet wird. Wer das genauer wissen möchte, der kann das Ganze in meiner Dissertation weiter vertiefen.

Mir ist es viel wichtiger, Nachhaltigkeit greifbar zu machen, damit sie praktisch angewendet wird. Aber was meine ich eigentlich mit Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass wir Menschen unsere eigenen Bedürfnisse befriedigen ohne zukünftigen Generationen die Chance zu nehmen ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. So ähnlich hat das schon die Brundtland-Kommission in den 1980er Jahren formuliert und ich finde das soweit einleuchtend. Vor allem seitdem ich mit meiner Frau Kinder habe, bin ich mir noch mehr bewusst, was diese Verantwortung bedeutet.

Zusätzlich habe ich immer noch das Bild eines Waldes vor Augen: Aus diesem Wald sollte immer nur so viel geerntet werden wie nachwächst – denn ansonsten ist der Wald nach einer gewissen Zeit weg und bleibt nicht für die nachfolgenden Generationen erhalten. Doch wie schärfe ich jetzt das Bewusstsein für nachhaltiges Verhalten?

Vor einiger Zeit kam mir die Idee, dass die Wahl unseres Schuhwerks symbolisch für unser sonstiges Verhalten steht – zumindest kann man das mit ein bisschen Kreativität so interpretieren. Mich hat nämlich bei mir selber gewundert, dass ich in manchen Lebensbereichen echt nachhaltig unterwegs bin (Ökostrom, Holzpellets, Solaranlage, Bio-Produkte, Geldanlage), aber beispielsweise im Bad ich große Schwierigkeiten mit nachhaltigen Produkten habe – auch wenn unsere Produkte schon mal kein Mikroplastik mehr enthalten. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie aufgeregt ich meine Idee meiner Ehefrau erzählt habe: Das ist für mich immer ein extrem gutes Zeichen, dass ich auf dem rechten Weg bin.

Der Sandalenträger

Jeder von euch kennt wahrscheinlich in eurem Umfeld einen Menschen, der immer in Sandalen durch die Gegend läuft. Bei mir ist es mein ehemalige Physiklehrer, der immer knallrote Socken mit Sandalen anhatte – egal bei welchem Wetter!

Der Sandalenträger ist in meinem Modell der Mensch mit dem geringsten CO2-Fußabdruck, der sich sehr bewusst verhält, nur Bio-Produkte isst, kein Green-Washing betreibt sondern einen richtigen Ökostromanbieter hat, sich nur mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, keine gelbe Tonne braucht, weil er einfach keinen Plastikmüll produziert, sein Haus komplett regenerativ heizt und mit seinen Geldanlagen die Welt zu einem besseren Ort macht.ann wird halt irgendein Stromanbieter gewählt.

Das Gute am Sneaker-Träger ist jedoch, dass er genau so gerne Bio-Qualität kauft, sich eine haltbare Waschmaschinen anschafft sowie einen bewussteren Medienumgang und einen Ökostromanbieter wählt, sobald das Mainstream geworden ist.

Sandale

Der Lederschuhträger

Wer sich einen Lederschuh kauft, dem ist das Thema Nachhaltigkeit augenscheinlich auch wichtig: Er möchte einen Schuh tragen, der langlebig ist sowie der sich der Fußform gut anpasst und ergonomisch ist. Sicherlich gibt es bei der Langlebigkeit heutzutage unterschiedliche Ausprägungen: Es macht einen Unterschied, ob ich einen auf Maß und von Hand gefertigten Lederschuh kaufe, den ich jahrzehntelang immer wieder problemlos reparieren kann, oder ob ich einen Lederschuh kaufe, der aufgrund der eingesetzten Verarbeitungsweise und Qualität nach wenigen Jahren entsorgt werden darf.

Dennoch ist es bei einem Lederschuh so, dass dafür ein anderes Lebewesen sterben musste, damit ich meinen Fuß in seine Haut stecken kann. Auch das dürfen wir bei aller Romantik für das Schuhhandwerk nicht vergessen. In meiner Zeit als Qualitätsingenieur beim Daimler habe ich damals mal eine Gerberei für die Sitzbezüge besucht – der intensive Geruch ging erst nach mehrfachem Duschen wieder ab, was nicht dafür spricht, dass der Gerb-Prozess besonders ressourcenextensiv abläuft.

Und genauso verhält sich auch der Lederschuhträger: Ihm ist eine nachhaltige Lebensweise eigentlich schon wichtig und achtet darauf, dass er kein unnötiges Plastik verwendet oder irgendwelche Ressourcen verschwendet. Auf der anderen Seite nimmt er es jedoch auch mal billigend in Kauf, wenn er aus Gründen der Praktikabilität im eigenen Auto in den Familienurlaub fährt, da ihm das Abenteuer Bahn hier einfach zu anstrengend erscheint.

Lederschuhe

Der Sneaker-Träger

Der Sneaker ist in meinem Modell das mittlere Schuhmodell. Man könnte ihn auch Mainstream nennen. Die Entstehungsgeschichte des Sneakers geht darauf zurück, dass der Sneaker mit wesentlich geringerem Pflegeaufwand als der Lederschuh auskommt und dass durch die billige Massenfertigung viel günstigerer Ladenpreise im Vergleich zu hochwertigen Lederschuhen möglich waren. Sicherlich hat sich das durch die Ausprägung von hochwertigen Marken mittlerweile wieder etwas verändert.

Der Sneaker-Träger zeichnet sich dadurch ab, dass er in vielerlei Hinsicht normal ist. Normal bedeutet an dieser Stelle, dass er sich an die geltenden Normen hält und sich gar nicht groß bewusst macht, ob das jetzt richtig ist oder auch nicht. Wenn das Obst und Gemüse im Supermarkt in Plastik verpackt ist, dann kauft er es halt so. Wenn die Waschmaschine nach sieben Jahren kaputt ist, dann kauft er halt eine neue Waschmaschine. Wenn im Fernsehen nur noch Schrott kommt, dann schaut er sich halt diesen Schrott an. Und wenn Strom aus der Steckdose kommt, dann wird halt irgendein Stromanbieter gewählt.

Das Gute am Sneaker-Träger ist jedoch, dass er genau so gerne Bio-Qualität kauft, sich eine haltbare Waschmaschinen anschafft sowie einen bewussteren Medienumgang und einen Ökostromanbieter wählt, sobald das Mainstream geworden ist.

Sneaker

Der Turnschuhträger

Der Turnschuhträger trägt seine Turnschuhe nicht nur beim Sport, sondern bettet seine Füße rund um die Uhr in wenig atmungsaktives Plastik. Auch wenn das natürlich gewisse praktische Vorteile bietet, so hat das auf lange Sicht natürlich Nachteile für die Füße.

Das spiegelt sich in seinem Verhalten wider: Er entscheidet sich auch im Alltag immer mal wieder für die vermeintlich einfache Lösung und kauft das billige Fleisch aus der Massentierhaltung oder nimmt das Auto statt des Zugs.

Turnschuhe

Der Waldbrandaustreter

Zweifelsohne hat der Waldbrandaustreter den größten CO2-Abdruck in vielerlei Hinsicht: Er fährt den SUV auch auf kurzen Strecken in der Stadt, er macht den Kurztrip nach Barcelona per Flieger zum Kaffeetrinken, er hat die zweite gelbe Tonne für 480 Liter Plastikmüll in zwei Wochen, er hat am Ende des Geldes immer noch verdammt viel Monat übrig, er stellt seine Gesundheit mit Medikamenten ein, er glaubt, dass bei einem Streit immer die anderen Schuld sind.

Das ist jetzt natürlich bewusst einseitig dargestellt, denn der Waldbrandaustreter hat sicherlich auch in manchen Lebensbereichen seine sinnvolle Berechtigung. Denn wenn ich in den Bergen unterwegs bin, dann ziehe ich natürlich auch meine Wanderschuhe an. Und so ähnlich kann das Verhalten eines Waldbrandaustreters auch in Notsituationen helfen, wenn es beispielsweise darum geht, einem Menschen das Leben zu retten. Leider fällt mich kein praxisnäheres Beispiel ein – ich bin für Anregungen äußerst dankbar.

Waldbrandaustreter

Fazit

Abschließend möchte ich festhalten, dass es mir persönlich gar nicht darum geht, dass wir jetzt alle zu Sandalenträgern werden. Das ist in meinen Augen wenig praktikabel und wahrscheinlich auch nur wenig sinnvoll. Auch wenn wir uns einig sind, dass es in der eigenen Wohnung vor dem Hintergrund des Reinigungsaufwands sicherlich Vorteile hat, nur Sandalen (oder gar keine Schuhe) anstelle der schmutzigen Waldbrandaustreter zu tragen, so gibt es andere Situationen im Leben, in denen die Sandalen einfach nicht passen.

Viel sinnvoller ist es in meinen Augen, dass wir uns unserer Wahlmöglichkeiten bewusst sind und einfach kurz überlegen, was der Sandalenträger wohl jetzt machen würde. Und ich bin mir sicher, dass du in diesem Augenblick eine andere Entscheidung triffst, als wenn du unreflektierst entscheidest.